Was bedeutet das Trennungsjahr?

Bookmark and Share
Beschreibung: Eine Ehe kann erst geschieden werden, wenn die Eheleute ein Jahr lang "von Tisch und Bett" getrennt sind. In diesem Fall geht man davon aus, dass die Ehe zerrüttet ist und auch nicht mehr gekittet werden kann.

Was heißt das genau? Muss man so lange getrennt leben oder darf man in dieser Zeit noch in einer Wohnung zusammen wohnen?

Ja, man darf auch noch in einer Wohnung zusammen wohnen. Aber jeder muss für sich leben in seinem eigenen Raum, und keiner darf Hausarbeiten oder Einkäufe für den anderen mit erledigen. Auch getrennte Mahlzeiten sind Pflicht, und selbstverständlich besteht kein ehelicher Verkehr mehr.

Gerade wenn in dieser Trennungszeit beide noch in derselben Wohnung leben, muss die "Trennung von Tisch und Bett" penibel eingehalten werden, denn es kann durchaus sein, dass ein Beweis für die Einhaltung der Trennung gefordert wird.

Kurze Versöhnungsversuche unterbrechen das Trennungsjahr nicht. Schließlich ist dies auch eine Prüfungszeit. Diese Zeit dient der sorgfältigen Überlegung beider Partner, ob die Ehe wirklich zerrüttet ist oder ob es doch noch möglich ist, wieder zueinander zu finden.

Wenn beide zu der Überzeugung gelangt sind, dass es wirklich keine Chance mehr gibt, sollten sie sich über die Modalitäten der Trennung einigen: Hausrat, Wohnung, Unterhalt und Kinder, wenn es welche gibt. Dann kann die Ehe einvernehmlich geschieden werden.

Wenn beide Ehepartner angeben, sie seien bereits länger als ein Jahr getrennt, kann durch so eine Rückdatierung des Trennungsjahres die Trennungszeit verkürzt werden und die Scheidung beschleunigt werden.
Rechtlich ist das allerdings Betrug und durchaus strafbar.

Nur wenn es einem der Partner nicht mehr zuzumuten ist, mit dem anderen Partner weiterhin zusammenzuleben, kann das Trennungsjahr durch die Härtefallklausel verkürzt werden. Das betrifft z.B. Alkoholismus, Drogensucht oder Gewalt in der Ehe.

Wenn nach einem Jahr Trennung noch keine Einigkeit besteht zwischen den Ehepartnern, weil es verhärtete Positionen gibt, kann die Ehe nach drei Jahren auch gegen den Willen eines Partners geschieden werden.

Bei den Finanzen zählt nicht bereits der Trennungstag, sondern erst der Tag, an dem der Scheidungsantrag offiziell zugestellt wird. Erst dann werden die Vermögensverhältnisse begutachtet und die Gelder aufgeteilt. Denn die Scheidung erfolgt ja erst nach dem Trennungsjahr. Man sollte sich also durchaus einigen, wie das Vermögen aufgeteilt werden soll, aber die eigentliche Berechnung erfolgt dann erst mit Beginn der Scheidung.

Scheiden ist schwierig, und es ist gut, dass es das Trennungsjahr gibt, in dem beide Ehepartner alles erst einmal gründlich durchdenken und besprechen können.

Verfasst von anwaltstandard

am 18.04.2011 - 05:40:08
Treffer: Aufrufe des Beitrags: 690 (0 pro Tag) Klicks auf den Link des Beitrags: 0 (0 Pro Tag)
In den letzen 30 Tages Perioden wurde der Beitrag 5 mal aufgerufen, und der Link des Beitrags 0 mal geklickt.
Kommentare: 0 Kommentare
Stichworte:

vorheriger Beitrag